Bon Iver’s Album „22, A Million“ ist das dritte Album der Band um Mastermind Justin Vernon. Als Vernons Bon Iver 2008 „For Emma, Forever Ago“ vorlegte, brachte sein Falsett-Gesang eine spannende neue Facette in das Neo-Folk-Genre ein. Das zweite Album, schlicht „Bon Iver“, war bereits kein typisches Singer/Songwriter-Album mehr, sondern setzte auf Jazz und nahezu bombastische Arrangements. Auch neben Bon Iver war Justin Vernon umtriebig und veröffentlichte Alben mit u.a. Vulcano Choir, den Gayngs und kollaborierte mit James Blake.

„22, A Million“ ist nun ein Album, das dem Hörer einiges abverlangt. Bereits die Benennung der Songs erscheint befremdlich – so enthält jeder Titel, wie bereits der Album-Titel, eine Zahl und oftmals kryptische Zeichen.

Dazu ist das Album musikalisch keine leichte Kost: Akustische Gitarren und Band-Sounds sind weitestgehend experimentellen elektronischen Klängen gewichen, die von Jazz-Fragmenten ergänzt werden. Vernon, der schon immer ein Faible für Autotune, Harmonizer und andere Stimm-Prozessoren hatte, ist auf diesem Album nur noch selten unverfremdet zu hören. Auch wird der Zuhörer bereits im ersten Song mit fiesen, nach kaputten Kopfhörern klingenden, Dropouts malträtiert. Dennoch ist das alles kein hedonistisches, arrogantes Experimentieren zum Selbstzweck.

Bon Iver gelingt auf „22, A Million“ etwas, was experimenteller Musik nicht oft gelingt: eine Atmosphäre und eine eigene Klangästhetik aufzubauen, die ungemein eigen, vereinnahmend, verletzlich und schön ist – und dabei dazu dient, die Songs in Szene zu setzen. Sicher braucht man als Hörer dazu Geduld, die Songs für sich zu erschließen. Wer aber die erste Irritation hinter sich lässt und sich auf „22, A Million“ einlässt, wird erkennen, dass dieses Album trotz aller Dekonstruktion, Experimente und Komplexität, ein absolutes Meisterwerk ist.

22, A Million zu bekommen bei Amazon*

Werbung



Video zu 22 (OVER S∞∞N)

Hörproben 22, A Million

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*