Gut informiert ins lange Pfingstwochenende – unter diesem Motto haben wir die wichtigsten LGBT-News der Woche wieder für euch zusammengefasst.

Deutschland: Bundesjustizminister Heiko Maas will Rehabilitierung und Entschädigung von Opfern des berüchtigten Paragrafen 175

Bis 1994 existierte der Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte. 1872 eingeführt, wurde der §175 unter den Nazis massiv verschärft, in der Bundesrepublik erst 1969 teilweise entschärft und 1994 endgültig abgeschafft. Die DDR hatte bereits 1968 die Abschaffung beschlossen. In der Bundesrepublik wurden nach Schätzungen 50.000 Männer zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, davon etwas 3500 nach 1969. Darüber hinaus verloren die Betroffenen oft ihren Arbeitsplatz und ihre Wohnungen. Der Münchener Staatsrechtler Prof. Martin Burgi empfiehlt in einem Gutachten die kollektive Rehabilitierung der Betroffenen durch ein Aufhebungsgesetz. „Die alten Urteile sind Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde“, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (Beitragsfoto). Maas kündigte daher am Mittwoch ein Gesetz an, mit dem Urteile aufgehoben werden sollen. Na endlich!

Mehr Details dazu u.a. auf Spiegel Online und im Tagesspiegel.
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Europa: ILGA Index 2016

Die International lesbian, gay, bisexual, trans and intersex association, kurz ILGA, hat diese Woche ihren Bericht und das Länderranking zur Lage von LGBTI-Rechten 2016 in Europa veröffentlicht. Die Top 3 Länder sind Malta, Belgien, Großbritannien. Die Schlusslichter sind Aserbaidschan, Russland und Armenien. Deutschland rangiert – für den zur Schau getragenen progressiven Anspruch –  auf dem eher beschämenden 16ten Platz. Die Ergebnisse des Reports sind, optisch gut aufbereitet, unter rainbow-europe.org zu finden.

 

Berlin: Mehr Übergriffe auf Homosexuelle gemeldet

Von der internationalen Empirie des ILGA-Reports zum gelebten Berliner Alltag: Das Beratungsprojekt Maneo hat diese Woche einen Bericht veröffentlicht, nachdem in Berlin die Anzahl der gemeldeten Übergriffe mit homophobem und trans*phobem Hintergrund in Berlin wieder gestiegen ist. Maneo zählte im vergangenen Jahr 259 Fälle. Im Vorjahr waren es 225. Die häufigsten schwulenfeindlichen/homophoben Deliktformen waren dabei einfache Beleidigungen (23%), einfache und gefährliche Körperverletzungen (29%), Raubstraftaten (15%) sowie Nötigungen und Bedrohungen (22%). Die (alten West-) Bezirke mit den häufigsten Meldungen waren Schöneberg (31%), Kreuzberg (10%), Tiergarten (9%), Mitte ( 8%), Neukölln (5%) und der Wedding (5%). Den vollständigen Bericht findet ihr bei Maneo.

Italien erlaubt eingetragene Lebenspartnerschaften

Die italienische Regierung hat einen umstrittenen Entwurf zur rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften durchgesetzt. Regierungschef und Ministerpräsident Matteo Renzi musste dabei die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verknüpfen. Auch wenn beispielsweise ein Adoptionsrecht nicht in dem Gesetz zu finden ist, ist es immerhin ein – wenn auch später – Schritt zu mehr Gleichstellung im oft noch sehr katholisch-konservativen Italien.

Weitere Details bei der Tagesschau ober beim Deutschlandfunk

 

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi


Russland: Eurovision Song Contest Favorit Sergey Lazarew bestreitet LGBT-Diskriminierung in Russland

Sergey Lazarew, der Russland dieses Jahr beim Eurovision Song Contest vertritt und als einer der Top-Favoriten gilt, spricht, angesprochen auf das Thema LGBT-Diskriminierung in Russland, laut GGG.at und Queer.de von „Gerüchten“ und „Gerede“. Seriöse Einschätzungen – wie etwa die der ILGA – kommen da zu ganz anderen Ergebnissen. Dennoch hat es Lazaraw in den letzten Wochen nicht verabsäumt immer wieder zu betonen, dass er „gayfriendly“ sei…

 

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Sergey Lazarew, links – Pressematerial ESC © Andres Putting (EBU)

 

Japan: Pride Veranstaltung in Tokio verzeichnet Besucherrekord

Seit 2013 gibt es in Tokio die Tokyo Rainbow Pride. Dieses Jahr gab es mit 70.000 Teilnehmenden einen neuen Besucherrekord. Mehr Infos dazu bei MSN und beim Asienspiegel.

 

North Carolina: Das US-Justizministerium schaltet sich ein

In dem seit Wochen eskalierenden Streit um diskriminierende Gesetze in North Carolina mischt sich nun das US-Justizministerium ein. Damit geht das Thema in die nächste Runde. Die Taz informiert über den Stand der Dinge.

 

USA: Schauspieler Colton Haynes outet sich

Der aus den Serien „Teen Wolf“ und „Arrow“ bekannte 27jährige US-Schauspieler Colton Haynes hat sich ein Herz gefasst und sich nun in einem Interview mit Entertainment Weekly öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Queerio! wünscht ihm alles Gute und ein erfülltes, schwules Leben!

US-Serien-Schnuckel Colton Haynes

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