Am Freitag war es soweit: Lady Gagas neues Album „Joanne“ – benannt nach einer verstorbenen Tante – wurde veröffentlicht. „Joanne“ ist Lady Gagas fünftes Studioalbum und ihr erstes Pop-Album seit drei Jahren. In diesen drei Jahren hatte sie als Vampir in American Horror Story beeindruckt, wofür sie sogar einen Golden Globe erhielt, und zum Befremden vieler Fans ein Jazz/Swingalbum aufgenommen.

Was sollte man aber von einem neuen Pop-Album von Lady Gaga erwarten? Eine weitere Sammlung von Disco-tauglichen Elektropop-Stompern wäre wohl die naheliegendste Vermutung. Und in der Tat geht auch die erste Single-Auskopplung „Perfect Illusion“ in genau diese Richtung. Ein Song, der ohne Probleme auch als schwedischer Beitrag zum nächsten Eurovision Song Contest durchgehen könnte.

Das Album hat jedoch wesentlich mehr und durchaus Überraschendes zu bieten. Das beginnt allein mit der Auswahl der Kollaborateure für das Album. Neben Produzent Mark Ronson (bekannt insbesondere durch seine Arbeit mit Amy Whinehouse) sind mit dabei: Joshua Tillman (Father John Misty, J.Tillman und Fleet Foxes), Josh Homme (Queens of the Stoneage, Iggy Pop) und Kevin Parker von den Psycho-Rockern Tame Impala. Also alles bekannte Namen, die aber eher im Folk, Indie und Alternative Rock zu Hause sind.

Unter diesen Vorzeichen erstaunt es nicht, dass dieses Album recht wenig mit dem bekannten Elektropop früherer Alben zu tun hat. Dafür hat es eine Reihe „echter“ Songs im eher traditionellen Bandsound zu bieten, die stilistisch mal Richtung Doo Wop („A-Yo“) gehen, mal klingen wie David Bowie in den 70ern („Come to Mama“) oder wie ein wiederentdeckter Jackson 5 Song („Hey Girl“ – gesungen im Duett mit Florence Welsh).

Ist das alles gelungen? Da kann man sicher geteilter Meinung sein. Fans, die auf der Suche nach einem neuen Pokerface sind, werden enttäuscht sein und sich mit „Perfect Illusion“ zufrieden geben müssen. Wer Interesse an Song-orientierter Musik hat, kann am Album durchaus Gefallen finden, aber wohl ein wenig Tiefe, Charme und Brüchigkeit vermissen. Insgesamt ist das neue Werk durchaus hörenswert, eiert aber unentschlossen zwischen den Anforderungen des Big Pop-Businesses und Lady Gagas eigenen Ansprüchen als Künstlerin hin und her. Wir können in jedem Falle gespannt sein, wofür sich die sympathische und überaus talentierte Lady Gaga zukünftig entscheidet.

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 Hörproben aus Lady Gaga – Joanne

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