Mit uns seid ihr immer bestens informiert: Die queeren News der Woche (KW 45) – zusammengefasst von der Queerio-Redaktion.

 

Donald Trump und die Qual nach der Wahl

Das für unmöglich Gehaltene ist eingetreten: Donald Trump wurde tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt. Auch wenn eigentlich nicht viel sicher zu sein scheint, was Donald Trump jenseits seiner Wahlkampf-Polemik nun wirklich plant, haben wir für euch dennoch mal zusammengefasst, wie Trump und sein designierter Vize, Mike Pence, sich in den vergangenen Monaten zu LGBT-Themen positioniert haben.

Donald Trump:

Wenn es um LGBTs geht, gibt Trump gerne den Beschützer: Mit seiner rigiden Einwanderungs- und Anti-Islampolitik behauptet Trump, die LGBT-Community vor vermeintlich schwulen-hassenden Muslimen und ihrer ‚hasserfüllten fremdländischen Ideologie‘ zu schützen (siehe Slate.com). Das ist die – auch bei europäischen Rechtspopulisten wie der AfD – übliche Angst-Propaganda und der Versuch, eine Minderheit gegen die andere auszuspielen. Zuletzt stellte sich Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Regenbogenfahne dar – diese hielt er allerdings falsch herum.

Als dramatisch könnte sich erweisen, dass Trump in absehbarer Zeit drei Richterposten des Supreme Court neu besetzen kann – also jenes Gremium, das erst 2015 durch ein Urteil die Homo-Ehe in den USA ermöglichte (zur Erinnerung siehe Spiegel Online). Seitdem tobt in den USA ein Kulturkampf, bei dem die religiöse Rechte versucht, dieses Urteil durch queer-feindliche Gesetze auf Bundesstaat-Ebene zu relativieren und zu torpedieren (z.B. durch die sogenannte ‚Bathroom Bill‘ in North Carolina). Mit der Neubesetzung von drei Posten durch rechts-konservative Richter würden sich die Machtverhältnisse am obersten Gericht der USA in eine konservative Richtung verschieben. Somit wäre eine Rückabwicklung der Homo-Ehe durchaus denkbar – was vielen religiös motivierten Republikanern eine Herzensangelegenheit ist.

Mike Pence:

Mike Pence ist ein Vertreter der religiösen Rechten, für den ein ‚(Werte-)Verfall von Ehe und Familie den gesellschaftlichen Kollaps einleitet.‘ Seiner Ansicht nach ist es außerdem auch gar keine Diskriminierung, Homosexuelle von der Ehe abzuhalten, sondern lediglich die ‚Umsetzung der Vorstellungen Gottes.‘ Zudem handele es sich bei Homosexualität um eine ‚Entscheidung‘ (Zitate nach TIME.com). Bei soviel reaktionärem Geist wundert es nicht, dass er sich in der Vergangenheit u.a. gegen ein Gesetz einsetzte, das die Diskriminierung von LGBTs am Arbeitsplatz zu verhindern versuchte, da dieses Gesetz einen ‚Krieg gegen Freiheit und Religion am Arbeitsplatz‘ eröffnen würde (Zitate nach TIME.com). In seiner Funktion als Gouverneur von Indiana unterschrieb er zudem einen sogenannten ‚Religious Freedom Restoration Act‘ – eines der queer-feindlichen Gesetze auf Bundesstaat-Ebene, das als ein klarer Angriff auf LGBT-Rechte gewertet wurde. Erst nach massivem Widerstand und Boykottandrohungen aus der Wirtschaft (u.a. von Apples Tim Cook) wurde dieses Gesetz um einen Zusatz ergänzt, der Schwule und Lesben in Schutz nehmen sollte.

Zusammengefasst bedeutet diese Konstellation also nichts Gutes für die queere Community in den USA – auf der einen Seite ein sexistischer Macho, der im besseren Falle mit LGBTs schlichtweg nicht viel am Hut hat, im schlechteren Falle aber der starken religiösen Rechten in seiner Partei erlaubt, sich auf Kosten der Rechte der LGBT-Community auszutoben. Dass letzteres die wahrscheinlichere Variante ist, zeigt die Wahl seines Vize-Kandidaten Pence, der sich in der Vergangenheit als engagierter Gegner von LGBT-Rechten profiliert hat. So drohen den USA nun mindestens vier Jahre Stagnation wenn nicht Rückschritte bei queeren Rechten.

Die Wahl von Donald Trump führt also schmerzhaft vor Augen, dass Fortschritt keine Einbahnstraße ist. Das Engagement für queere Rechte muss immer weitergehen und der Weg zur Gleichberechtigung ist leider weiterhin weit und steinig. Großartige und symbolträchtige Errungenschaften wie die Einführung der Homo-Ehe in den USA sind schneller wieder in Gefahr als wir glauben konnten und wollten. Und mit diesen Symbolen von Freiheit und Akzeptanz ist auch das gesellschaftliche Klima eines ganzen Landes und weit darüber hinaus verbunden.

Weiterführende Artikel dazu:

Out.com – 5 Ways the Trump Presidency Could Affect LGBT Rights

Washington Blade – Here’s how President Trump could undermine LGBT rights

Queer.de – Mit US-Präsident Trump wackelt die Ehe für alle

 


 

Angela Merkels ‚Glückwunsch‘ an Trump

Obwohl sich Angela Merkel bekanntlich mit queeren Bezügen immer wieder schwer tut, war ihre Reaktion auf die Wahl Trumps doch sehr deutlich und eindrucksvoll. So betonte sie in ihrer kurzen Glückwunsch-Ansprache die enge Verbundenheit mit den USA durch gemeinsame Werte: Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. ‚Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.‘ – so Merkel. Ein Video von der Ansprache findet ihr auf Bundesregierung.de

 


 

Ehe für Alle: Bundesrat übt Druck auf Bundestag aus

Dass Deutschland vom ehemaligen Vorreiter zu einem Bremser in Sachen queerer Rechte geworden ist, ist leider bekannt. So ist in Deutschland – im Wesentlichen auf Betreiben der CDU/CSU – und anders als in 14 anderen europäischen Ländern, für homosexuelle Paare eine gleichgestellte Ehe immer noch nicht möglich.

Im Bundesrat wurde bereits im September 2015 ein entsprechender Gesetzesentwurf zur Ehe-Öffnung verabschiedet. Seitdem hat der Bundestag es geschafft, die Behandlung des Themas 11x (!) zu verschieben. Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen) hat nun Bundestagspräsident Norbert Lammert gebeten, den vom Bundesrat verabschiedeten Gesetzesentwurf endlich zur Abstimmung in den Deutschen Bundestag einzubringen.

Mehr Infos beim LSVD und im Tagesspiegel.

 


 

Mexikanisches Parlament lehnt Ehe-Öffnung ab

Das mexikanische Parlament hat die Legalisierung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im ganzen Land zurückgewiesen. Mexikos Präsident Nieto hatte die Verfassungsänderung im Mai angekündigt – nachdem im Vorjahr der Oberste Gerichtshof ein Verbot der Ehe für homosexuelle Paare als verfassungswidrig einstufte. Im eingebrachten Vorschlag war auch ein Adoptionsrecht enthalten.

In Mexiko gab es daraufhin massive Proteste gegen die Öffnung der Ehe – u.a. angetrieben von der katholischen Kirche.

Mehr dazu auf Orf.at und queer.de

 


 

Der schwule Bachelor hat seinen Prince Charming gefunden

Nun zu den seichten Themen der Woche: Robert Sepúlveda Jr., der schwule Bachelor aus der US-Reality-TV Serie „Finding Prince Charming“ ist fündig geworden. Dazu unseren Glückwunsch! Auf dass die Liebe länger währt als bei seinen deutschen Hetero-Kollegen. Details kennt Promiflash.

Robert Sepúlveda Jr. (rechts) und sein charmanter Prinz

 


 

Mr. Gay Germany 2016 gekürt

Zum Mr. Gay Germany wurde dieses Jahr der 21jährige Pascal Nissing aus München gewählt. Am Samstagabend wurde er in Köln gekürt.

Hier sein Bewerbungsvideo:

 


 

IKEA Internet-Hotspot blockt lesbisch/schwule Internet-Angebote

Der Jugendschutzfilter von IKEAs kostenlosen WLan Hotspot in ihrer Filiale in Berlin Schöneberg blockierte diverse Websites von Schwulen- und Lesbenorganisationen. Ein ähnliches Thema gab es dieses Jahr schon bei der BVG (siehe Top Queer News KW38), die das Problem umgehend löste. Bei Ikea brauchte es – so der Berliner Tagesspiegel – wohl ein wenig länger…

 

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