Am 14.5.2016 ist es endlich wieder soweit: Das größte Musik-Event der Welt, der Eurovision Song Contest, lädt zum mittlerweile 61. Mal „Gladiatoren“ aus ganz Europa (und seit 2015 auch Australien) zum musikalischen Wettstreit ein – dieses Jahr ins schwedische Stockholm. Unter dem Motto „Come together“ versucht Europa dann zumindest für ein paar Stunden alle Probleme und Krisen dieser Welt zu vergessen und sich bei einem vergnüglichen Abend voller Zerstreuung und mehr oder weniger guter Unterhaltung zu entspannen.

Doch wie jedes Jahr sind es nicht nur die guten Song-Beiträge, die Millionen von Zuschauern vor den Fernseher locken, sondern auch jene Teilnehmer, die durch ihre schrillen Gesänge, schrägen Kostüme und dramatischen Showeinlagen den Unterhaltungsfaktor deutlich nach oben schrauben. Queerio! hat sich die 43 Teilnehmer des Eurovision Song Contests 2016 an einem langen, teils zähen Sonntagnachmittag an einem Stück zu Gemüte geführt und präsentiert euch heute im ersten Teil unseres „Song Contest 2016 Specials“ die 5 skurrilsten Perlen dieses Jahr.

Platz 5: Russland – Sergey Lazarev – „You Are The Only One“

Russland schaffte es in den letzten Jahren fast immer in die Top 10 – manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein, denn für Russland tritt der in Osteuropa äußerst populäre Sänger Sergey Lazarev an, der noch dazu auch optisch zu überzeugen weiß (auch wenn die beiden Engelsflügel auf seinen muskulösen Oberarmen nicht jedermanns Geschmack sein dürften).

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Doch leider kann seine Bekanntheit nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein Song „You Are The Only One“ eine altbackene Eurodance-Nummer ist, die schon in den 90ern keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorgelockt hätte, und die besonders durch die ausufernden Gesten von Herrn Lazarev unfreiwillig komisch wirkt. So ist seine Choreographie eine seltsame und vor allem für Deutsche leicht verstörende Mischung aus Michael Wendler und Pur-Sänger Hartmut-Engler – inklusive dem frauenbezirzenden „Ich seh so geil aus, Baby“-Hüftschwung und der obligatorischen „Herzschmerz-Gedächtnis-Faust“. Tipp von Queerio: Beim nächsten Mal lieber Detlef D! Soost als Choreographen buchen!

Platz 4: Weißrussland – Ivan – „Help You Fly“

Aus musikalischer Sicht wäre Weißrusslands Beitrag eigentlich gar nicht so uninteressant, denn der Song „Help You Fly“ ist eine durchaus moderne Pop-Ballade mit mittelalterlichen Elementen, die auch zum Äußeren des Sängers Ivan passt, der ein bisschen so aussieht, als wäre er gerade dem Filmset von „Game of Thrones“ entlaufen. Skurril wird der Beitrag jedoch durch den äußerst windschiefen Gesang des Künstlers, der die Töne so zielsicher trifft wie ein pubertierender Ziegenbock im Stimmbruch. Wenn er bis zum Auftritt im Halbfinale nicht noch fleißig sein Stimmchen ölt wird es für Ivan wohl kein Ticket fürs Finale geben…

UPDATE: Wie wir gerade auf Sputniknews erfahren haben, möchte Ivan beim Song Contest doch tatsächlich nackt und mit 2 echten Wölfen auftreten. Wie’s scheint, will da wohl jemand vom Gesang ablenken. Sollte er sein Vorhaben wirklich in die Tat umsetzen, würde er dadurch in unserem Ranking natürlich auch den Spitzenplatz erobern…

Platz 3: Georgien – Nika Kocharov and Young Georgian Lolitaz – „Midnight Gold“

Nika Kocharov und seine „jungen georgischen Lolitas“ stellen mit dem Song „Midnight Gold“ wohl den auffälligsten Beitrag dieses Jahres. Was zunächst als eingängige Indie-Britpop-Hymne im besten Stil von Blur und Franz Ferdinand startet, mündet schließlich in einer skurrilen Experimental-Elektro-Sound-Performance, die eine gefühlte Ewigkeit dauert und die Schmerzgrenze der Zuschauer wohl ganz bewusst auf die Probe stellen möchte. Das Video lässt jedenfalls schon mal auf einen verrückten Auftritt in Stockholm hoffen. In vielen Song Contest Foren wird der Song als heißester Kandidat für den letzten Platz gehandelt – für uns hingegen schafft er es ganz klar ins Finale mit guten Chancen auf die Top 10.

Platz 2: Rumänien – Ovidiu Anton – „Moment of Silence“

„Das Phantom der Oper meets Mittelalter“ scheint das Motto des rumänischen Beitrags rund um den Sänger Ovidiu Anton zu sein, der sowohl optisch als auch stimmlich die osteuropäische Antwort auf Meatloaf zu sein scheint (auch wenn diese Antwort leider 20 Jahre zu spät kommt). Der Song ist eine eigenwillige Mischung aus bedeutungsschwangerer Musical-Show mit mittelalterlichen Elementen, die mit E-Gitarren-Soli im besten Scorpions-Stil „aufgepeppt“ (also verschlimmbessert) wurde. Unterstützt wird das skurrile Szenario durch große Gesten voller Pathos und einem oberkörperfreien Tänzer, der etwas ungeschickt sein Eisenschwert schwingt, aber dabei wenigstens ganz nett anzusehen ist. Es gibt sicher Leute, die den Beitrag toll finden, bei uns hinterlässt er jedoch eher das Gefühl einer fetten Sonntagsdepression…

Platz 1: San Marino – Serhat – „I Didn’t Know“

Eigentlich hatten wir den Beitrag aus San Marino – einer Chanson-Nummer, die im charmant-miserablem Englisch vom Interpreten Serhat lasziv ins Mikro gesäuselt wird – bereits fix auf den ersten Platz gesetzt. Doch dann entschied sich San Marino quasi in letzter Minute dafür, aus der Chanson-Nummer eine Disco-Nummer zu machen – und festigte damit seine Spitzenposition in unserem Skurrilitäten-Ranking sogar noch! Am schlechten Englisch von Serhat, dessen Stimme so klingt, als würde er täglich eine Schachtel Zigaretten zum Frühstück gurgeln, hat sich zwar nach wie vor nichts geändert – der Song, der in bester 70er-Jahre Boney M. Manier inszeniert wird, hat nun aber beste Chancen, der Gay-Hit des diesjährigen Song Contests zu werden. Ein geschickter Schachzug von San Marino, der auch die Wahrscheinlichkeit auf einen Finaleinzug deutlich erhöht hat – verdient unsere Nummer eins der skurrilsten Beiträge des Eurovision Song Contests 2016!

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