Wenn auch die queere Nachrichtenlage im Sommer etwas dünn ist, so gibt es doch einiges rund um die CSDs und das Berliner Stadtfest zu berichten. Also wie immer: die queeren Top-News der Woche.

AfD auf queerem Kuschelkurs – Instrumentalisierung in Blau

Das Berliner Stadtfest im queeren Schöneberger Kiez war bei einigermaßen gutem Wetter wieder ein voller Erfolg. Etwas unangenehm überrascht war dann aber Dragqueen Nelly Morell als sie über AfD-Frau Beatrix von Storch vor der ‚Lieblingsbar‘ in der Eisenacher Straße stolperte. In einem  unterhaltsamen Medien-Disput ging es dann um etwaige Platzverweise und gelöschte Facebook-Posts. Gut sortiert hat das Ganze das Neue Deutschland.

Die AfD war, wie bereits im Vorjahr, nicht mit einem Stand auf dem Stadtfest zugelassen. Gerade aber in Anbetracht der Berliner Wahlen scheint die AfD zu einer Charmeoffensive gegenüber der Queer Community ansetzen zu wollen – und so gab es auf Twitter Bilder mit von Storch und zwei AfD Abgeordnetenhaus-Kandidaten vor einer Regenbogenflagge zu sehen – offenbar aufgenommen während des Straßenfests – mit dem Hinweis, dass hier der Boykott boykottiert wird. Heldenhafter Einsatz.

Die AfD fährt nun auch mit großflächigen Werbeplakaten durch Schöneberg, die ein schwules, deutsches, gebildetes, gut aussehendes, bürgerliches Paare mit dem Zitat zeigen „Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist.“

Eindrucksvoll und schwer erträglich, wie hier mit den Sorgen einer Minderheit, Stimmung gegen eine andere Minderheit gemacht wird. Wie wenig der AfD queere Themen wirklich am Herzen liegen, verrät ein schneller Blick auf die Wahlprüfsteine des LSVD.

Ein Twitter-Nutzer hat die AfD-Werbung fotografiert.

Stuttgart: Türkische Gemeinde nimmt erstmals am CSD teil

In Stuttgart nimmt erstmals die türkische Gemeinde am CSD teil und möchte somit das in Migrantenkreisen verbreitete Tabuthema Homosexualität angehen. Mehr dazu im schwäbischen Tageblatt.

Gay Pride in Jerusalem unter extremen Sicherheitsvorkehrungen

Nachdem vor einem Jahr ein militant-ultraorthodoxer Jude bei der Parade eine 16-Jährige erstochen hat, fand die diesjährige Gay Pride Parade in Jerusalem unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. 2000 Beamte sollten laut Welt.de erwartete 5000 Teilnehmende sichern.  Einen interessanten und ausführlichen Bericht zur Situation in Jerusalem gibt es bei der Deutschen Welle.

Frankreich – CSD Paraden in Marseille und Montpellier abgesagt

Nach dem Attentat von Nizza wurden aus Trauer um die Opfer und auch aus Sicherheitsbedenken die Gay Pride Veranstaltungen in Marseille und Montpellier abgesagt. Queer.de mit den Details

Darüber hinaus lesenswert:

Nemat Sadat war der erste Afghane, der sich öffentlich als schwul outete. Heute wird er verfolgt. Den Attentäter von Orlando, der Homosexuelle angriff, kann er verstehen. Ein Interview in der Zeit

Der Paypal-Gründer und Facebook-Aufsichtsrat Peter Thiel spricht über seine Homosexualität – als erster Parteitagsredner in der Geschichte der Republikaner. Ein Bericht in der Süddeutschen

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