Am 10.11.2016 kommt die Verfilmung von Andreas Steinhöfels Roman „Die Mitte der Welt“ in die Kinos. Queerio! durfte den Film bereits vorab sichten und sagt euch, was euch erwartet…

 

Alles nicht so einfach…

„Wenn es auf alles immer einfache Antworten geben würde…“ – Mit diesen Worten antwortet Glass ihrem Sohn Phil auf die Frage, warum sie damals hochschwanger Phils leiblichen Vater verlassen hat und überstürzt von den USA nach Deutschland gezogen ist. Und in der Tat, der weitere Begründungsversuch der stets leicht verpeilten Hippie-Esoterikerin Glass ist schwer nachzuvollziehen. Aber Phil ist das egal – genauso wie es seiner Mutter immer egal war, dass Phil schwul ist. Innerhalb der Familie akzeptiert man die Dinge eben oft auch so, wie sie eben sind.

Der Film „Die Mitte der Welt“, der am 10.11.2016 in die Kinos kommt, ist zu melancholisch, um eine Komödie zu sein, zu unbeschwert, um als Drama durchzugehen, und eigentlich auch zu erwachsen für eine Coming-of-Age-Geschichte. Den Film einzustufen ist schwierig, denn er ist nicht mehr – aber auch nicht weniger – als ein Film über das Leben selbst. Mal heiter und entspannt, mal bedeutungslos und langweilig, mal dramatisch und unkontrollierbar. Die von vielen lang ersehnte Verfilmung von Andreas Steinhöfels Romanbestseller „Die Mitte der Welt“ ist der dritte Kinofilm des österreichischen Filmregisseurs Jakob M. Erwa, der sich nach seinem vielbeachteten Film „Heile Welt“ (2007) erneut jenen Themen widmet, die einen Teenager beim Erwachsenwerden beschäftigen.

 

Ein ganz normaler Junge – vielleicht ein bisschen schwuler

„Die Mitte der Welt“ erzählt die Geschichte des 17-jährigen Phil (gespielt vom äußerst talentierten Louis Hofmann), der sich unsterblich in den Neuen an der Schule, Nicholas (Jannik Schümann), verliebt. Und der scheint seine Gefühle tatsächlich zu erwidern. Doch in dieser Glückseligkeit voller Sex (der in sehr freizügigen Szenen veranschaulicht wird) und neuer Gefühle, die Phil gerade entdeckt, scheint zwischen seiner Mutter Glass (gespielt von der herrlich melancholischen Sabine Timoteo) und seiner Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) eine rätselhafte Eiszeit zu herrschen, die Phil immer mehr belastet. Und auch Nicholas scheint vor ihm Geheimnisse zu haben. Doch seine Suche nach Antworten gestaltet sich für Phil schwierig  – weil es eben nicht immer einfache Antworten auf alles gibt…

 

Phil, Nicholas und dessen Freundin Kat genießen ihr Teenager-Leben

Nicholas, Phil und dessen beste Freundin Kat genießen ihr Teenager-Leben © 2015 PAUL PLOBERGER / Universum Film

 

Das Leben ist nicht immer einfach, es ist auch nicht immer aufregend – aber manchmal eben doch. Und es ist wohl jene Leichtigkeit, mit der Regisseur Jakob M. Erwa zwischen Langeweile, Drama, Erotik, Spannung und Alltag in Phils Leben hin und herspringt, die diesen Film auszeichnet. Dass Phil dabei schwul ist, ist zwar sowohl im Buch als auch im Film ein durchaus wichtiger Aspekt, für die Geschichte an sich aber nur von sekundärer Bedeutung – kein Coming-Out-Drama, keine homophoben Sprüche von Mitschülern, nichts. Phil ist schwul, alle wissen es, keiner stört sich daran, nächstes Thema. Und diese Selbstverständlichkeit, mit der Homosexualität hier dargestellt wird, ist ein durchaus neuer Aspekt im deutschen Kino, der wohl vor allem dem selbst homosexuellen Regisseur Erwa zu verdanken sein dürfte, und wodurch der Film besonders hervorsticht.

 

Fazit

„Die Mitte der Welt“ ist ein sehenswerter Film. Warum? Nun, den Grund dafür in Worte zu fassen ist gar nicht so einfach, oder wie es Glass ausdrücken würde: „Wenn es auf alles immer einfache Antworten geben würde…“ Aber diese einfachen Antworten gibt es eben nicht immer. Und genau aus diesem Grund bleibt der Film, der Vieles offen lässt und gar nicht alles erklären will/muss/kann, nahbar und zieht den Zuschauer in seinen Bann. Ein außergewöhnlicher Film – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, wie normal und ungezwungen mit Homosexualität umgegangen wird. Ansehen lohnt sich also!

 

Hier zur Einstimmung noch der Trailer:

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*