Ich muss gestehen, mein Verhältnis zur Musik von Bob Mould ist ein sehr privates. Als ungeouteter Teenager habe ich ersten Liebeskummer mit Hüsker Düs „Don’t Wanna Know If You Are Lonely“ oder „Never Talking To You Again“ zu bekämpfen versucht, dann als mittlerweile schwuler Twen Sugars „Copper Blue“ Album rauf und runter gehört.

Die Überraschung war dementsprechend groß, als ich Anfang der 90er davon las, dass Bob Mould, Sänger von Hüsker Dü und später Sugar, mittlerweile sein Coming Out hinter sich gebracht hatte, was – ähnlich wie bei REMs Michael Stipe – sicher auch für einen Alternative-Star der 80er und 90er nicht ganz ohne Sorgen um die musikalische Karriere vonstatten ging. Als junger schwuler Alternative-Musiker und Musikliebhaber war ich damals begeistert und stolz zugleich, in Bob Mould einen zumindest virtuellen Verbündeten gefunden zu haben.

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Nach dem Ende von Sugar hat Bob Mould eine Reihe von Soloalben veröffentlicht, die kommerziell und oft auch musikalisch nicht mit den großartigen Hüsker Dü und Sugar mithalten konnten. Stilistisch ist er sich in eigentlich allen Veröffentlichungen – von ein paar elektronischen Anwandlungen und seiner Nebentätigkeit als DJ abgesehen – immer treu geblieben und spielt konsequent seinen im Punk verwurzelten Power-Pop mit dem Gitarrensound, der so unnachahmlich nach kaputtem Verstärker klingt. Die Songs jedoch wirkten oft ein wenig schemenhaft, die wechselnden Begleitmusiker gaben selten das Gefühl von einer eingespielten Band. So verflachte – wie bei vielen älter werdenden Idolen – der musikalische Output über die Jahre, auch wenn kein Album wirklich „schlecht“ war.

Nichtsdestotrotz blieb ich, nicht zuletzt wegen der zuvor erläuterten persönlichen Geschichte, ein treuer Hörer von Bob Moulds Alben und freute mich daher auch auf das neue Album „Patch The Sky“. Und tatsächlich tut sich hier Erstaunliches: Mit „Voices In My Head“, dem Opener des Albums, legt Bob Mould zum ersten Mal seit Jahren einen versöhnlich klingenden Radio-kompatiblen Song vor, der durchaus wieder das Potential hat, auch neue Hörer zu gewinnen. Mit Jason Narducy am Bass und Superchunks Jon Wurster an den Drums hat er auch mittlerweile eine seit einigen Jahren unveränderte Begleitband an seiner Seite, die wie selbstverständlich alle Ecken und Wendungen seiner Songs rhythmisch flankiert und einen wunderbar dichten Sound produziert. Und so ist Bob Mould mit „Patch The Sky“ ein wirklich rundes und durchweg hörbares Album mit einer Reihe von sehr guten Songs gelungen.

Weitere Anspieltipps: „The End of Things“ und „Lucifer & God“

Bob Moulds „Patch The Sky“ – dieses Mal nicht nur für Fans, erschienen bei Merge Records.